
Industrietechnik trifft Kultur: Digitalisierung schützt Museumsschätze
Was haben 2.000 Jahre alte römische Keramik und moderne Industrieanlagen gemeinsam?
Auf den ersten Blick wenig – doch beide benötigen eine präzise und zuverlässige Überwachung ihrer Umgebung, um Schäden zu vermeiden.
Genau hier setzt ein besonderes Gemeinschaftsprojekt im Terra-Sigillata-Museum in Rheinzabern an. Gemeinsam mit der BBS SÜW in Bad Bergzabern und der Firma EVIAS (Mitglied im Technologie-Netzwerk Südpfalz e. V.) wurde ein intelligentes Monitoring-System entwickelt, das historische Exponate dauerhaft schützen soll.
Das Museum trägt eine besondere kulturelle Verantwortung: Die einzigartigen Funde aus der Römerzeit sind nicht nur Ausstellungsstücke, sondern unwiederbringliche Zeugnisse der Geschichte. Gerade deshalb ist ihr langfristiger Erhalt von zentraler Bedeutung. Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsschwankungen stellen dabei eine der größten Herausforderungen dar.
Ziel des Projekts ist ein automatisiertes und wartungsarmes System zur kontinuierlichen Überwachung dieser klimatischen Bedingungen. Denn bereits kleine Abweichungen können bei empfindlichen Objekten aus Holz, Metall oder Keramik langfristige Schäden verursachen. Im Rahmen eines LEADER-Bürgerprojekts der LAG Südpfalz wurden die Hardware-Komponenten finanziert. Insgesamt überwachen heute rund 25 Sensoren das Raumklima im Museum sowie an einer Außenstelle mit historischen Brennöfen. Die Messwerte werden kontinuierlich erfasst, gespeichert und ausgewertet.
Technisch kombiniert das Projekt verschiedene IoT-Lösungen: Sensoren im Hauptgebäude übertragen ihre Daten per WLAN und MQTT, während an externen Standorten LoRa-Technologie zum Einsatz kommt. Unsere Softwareplattform QUICKDATA bündelt alle Daten zentral und stellt sie in einem Echtzeit-Dashboard zur Verfügung.
Entwickelt und umgesetzt wurde das System von Lukas Pietsch als Abschlussprojekt an der BBS SÜW. Der angehende staatlich geprüfte Elektrotechniker plante die Sensorik, integrierte die Hardware und setzte das Monitoring praxisnah im Museum um. Seine Weiterbildung verbindet Elektrotechnik und Informatik mit den Schwerpunkten Smart Building, Industrie 4.0 und IoT. Die Zusammenarbeit zwischen Schule und Unternehmen spielte dabei eine zentrale Rolle: Lukas Pietsch arbeitet parallel bei EVIAS und besucht an zwei Tagen pro Woche die Fachschule in Bad Bergzabern. So entstand ein Projekt, das praxisnah zeigt, wie moderne Industriestandards auch im Kulturbereich erfolgreich eingesetzt werden können. Das Projekt macht auch deutlich, dass auch lokale Museen künftig verstärkt auf digitale Monitoring-Systeme angewiesen sein werden, um empfindliche Kulturgüter langfristig zu erhalten. Durch die kontinuierliche Datenerfassung können Risiken frühzeitig erkannt, präventive Maßnahmen getroffen und Erhaltungsstrategien datenbasiert weiterentwickelt werden.
Für die Beteiligten ist das Projekt ein Beispiel dafür, wie Digitalisierung, Weiterbildung und Kultur voneinander profitieren können und wie Technologien aus der Industrie helfen, historisches Erbe nachhaltig zu bewahren. Und das auf lokaler Ebene vor Ort bei uns in der Südpfalz.
